🫧, liebe Cruncher!

Wer nach Anzeichen einer platzenden Blase sucht, wird im US-Immobilienmarkt fündig.

Seit einigen Monaten steigt die Zahl von US-Amerikanern, die ihre Miete mit Anbietern wie Affirm, Flex & Klarna zahlen – also “Rent Now, Pay Later”. Flex sagt, dass der durchschnittliche Credit Score (in etwa Schufa) bei 602 liegt, also “higher risk”.

Das Banken-Wort für “higher risk”: subprime. Womit wir bei der Finanzkrise 2008 wären.

Aber egal, jetzt erstmal WM – “Watch Now, Worry Later"! 🥳

Paul Ostwald, Lead Editor

Sina Schnepper, Associate Editor

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WHAT’S GOING ON?
AGENDA
  • Makro: 🇪🇺 Zinsentscheid der EZB, 🇺🇸 Erzeugerpreisindex, 🇺🇸 Erstanträge Arbeitslosenunterstützung

  • Mikro: Adobe

TOP STORY

4,2 % Inflation: Der Markt wettet auf höhere US-Zinsen

Der FED-Präsident Kevin Warsh gilt als Hardliner in Sachen Inflation – genau die Linie, auf die der Markt sich gerade einstellt (Foto: IMAGO / Newscom / AdMedia)

Was ist passiert: Die US-Inflation stieg im Mai auf 4,2 % und erreichte damit den höchsten Stand seit April 2023

  • By the Numbers: Allein Energie war für mehr als 60 % des monatlichen Preisanstiegs verantwortlich – Benzin kostet inzwischen rund 40 % mehr als vor einem Jahr ⛽

  • Nicht nur Öl: Die Kerninflation stieg von 2,8 % auf 2,9 % (think: ein Zeichen dafür, dass sich die höheren Energiekosten langsam auf andere Bereiche der Wirtschaft ausbreiten)

👉 Why Should I Care? Weil die Börse monatelang auf das ideale Szenario gesetzt hat: sinkende Inflation, sinkende Zinsen und boomende KI-Gewinne

  • Fed Flip: Inzwischen wetten Anleger darauf, dass die nächste Bewegung des US-Leitzins wieder nach oben gehen könnte

  • Tech Check: Höhere Zinsen drücken auf die Bewertungen von Wachstums- und KI-Aktien – genau die Titel, die den Markt in den vergangenen Monaten nach oben getrieben haben

  • Bigger Picture: Je länger die Inflation hoch bleibt, desto schwieriger wird es, die aktuellen Bewertungen vieler Wachstums- und KI-Aktien zu rechtfertigen ☝️

Dive Deeper: Die eigentliche Gefahr ist nicht der Ölpreisschock selbst

  • Warum? Notenbanken ignorieren steigende Energiepreise oft, weil sie als temporärer Effekt gelten – problematisch wird es erst, wenn höhere Kosten auf Löhne, Dienstleistungen und Konsumgüter übergreifen

  • Inflation Nation: Genau darauf deutet der Anstieg der Kerninflation auf 2,9 % hin – nach mehreren Jahren über dem 2 %-Ziel wächst die Sorge, dass sich die Inflation erneut festsetzt

  • Next Up: Die nächste Fed-Sitzung findet am 17. Juni statt. Die Zinsen dürften unverändert bleiben – die eigentliche Frage ist, ob die Notenbank die Tür für eine Zinserhöhung später im Jahr weiter öffnet 👀

Further Reading: Financial Times, Handelsblatt

UNSER PARTNER: OAWS

Fast so gut wie wir: Der Newsletter von Ohne Aktien Wird Schwer.

Worum geht’s: Um Ohne Aktien Wird Schwer – die ja eigentlich Konkurrenz sind 👀

Aber: Weil sie so gut sind und wir selbst so gerne mitlesen, gibt’s heute eine klare Leseempfehlung.

Ganz konkret: Tauchen die Kollegen täglich in Investment-Thesen ab – ob Quantencomputer-Aktien, die großen Fragen um Nike (fallendes Messer oder Kaufchance) oder dem Hype um Discounter Action, bei OAWS bekommt ihr Antworten (und Memes).

Dafür stehen wir mit unserem Namen: Wer OAWS und uns liest, hat sein Leben im Griff 🤝

MARKET MOVER

Mehr als Maschinen: ASMLs nächster Move

Europas teuerster Konzern denkt um: Wer nur Maschinen verkauft, lässt Geld liegen (Foto: IMAGO / NurPhoto)

Was ist passiert: ASML $ASML ( ▼ 2.04% ), Europas wertvollster Konzern, will sein Portfolio über die klassische Lithografie hinaus erweitern und stärker von neuen Trends wie 3D-Chip-Integration profitieren

  • Monopoly Money: ASML ist der einzige Hersteller von EUV-Maschinen, doch die Zahl potenzieller Kunden ist überschaubar (remember: die Geräte kosten bis zu €350 Mio. pro Stück und werden nur von wenigen Chipriesen gekauft)

  • Full Stack: Statt nur mehr Maschinen zu verkaufen, will ASML künftig an zusätzlichen Produktionsschritten verdienen – etwa bei Messtechnik, Software und Advanced Packaging

👉 Why Should I Care? Weil ASML trotz eines Kursanstiegs von rund 52 % in diesem Jahr im Vergleich zu vielen Halbleiter-Peers so günstig gehandelt wird wie seit über zehn Jahren nicht mehr

  • Level Up: Die größte Chance heißt 3D-Integration – die klassische Chip-Skalierung wird immer teurer (statt nur kleinere Chips zu bauen, stapeln Hersteller zunehmend mehrere Chips übereinander und verbinden sie zu einem einzigen Hochleistungs-System)

  • Bigger Picture: Für genau diese Technologie entwickelt der Konzern neue Maschinen – gelingt die Expansion, könnte ASML deutlich stärker wachsen als allein durch den Verkauf von EUV-Anlagen

  • In a Nutshell: ASML verkauft heute die Schaufeln des KI-Goldrauschs – künftig wollen die Niederländer auch am Bau der Mine selbst mitverdienen 👀

Further Reading: Bloomberg, Handelsblatt

QUICK CATCH-UP

Hostile Takeover auf italienische Art: UniCredit kommt der Commerzbank-Übernahme immer näher (Foto: IMAGO / NurPhoto)

🏦 Die UniCredit hat ihren Anteil an der Commerzbank im Zuge des laufenden Übernahmeangebots weiter erhöht. Aktionäre haben der italienischen Bank inzwischen 10,91 % der Aktien angedient. Zusammen mit den bereits gehaltenen Anteilen würde UniCredit damit auf rund 37,7 % der Commerzbank kommen. Die wehrt sich weiterhin gegen die Übernahme und hat die BaFin eingeschaltet. 👉 Crunch-Take: Für Anleger bleibt die Aktie ein klassischer M&A-Case, bei dem der Ausgang des Bieterduells und mögliche Nachbesserungen beim Angebot die entscheidenden Kurstreiber sind. (Deep Dive)

📉 Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Wachstumsprognose für Deutschland deutlich gesenkt. Für 2026 erwartet man nur noch 0,5 % Wirtschaftswachstum statt zuvor 1,0 %, für 2027 lediglich 0,8 %. Hauptgrund sind die anhaltend hohen Energiepreise, die Industrie und Konsum belasten. Das DIW hält sogar eine technische Rezession im Sommer für wahrscheinlich. 👉 Crunch-Take: Besonders Industrie-, Chemie- und andere energieintensive Unternehmen bleiben anfällig für hohe Energiepreise und eine schwache Nachfrage. (Deep Dive)

🚀 Der Börsengang von SpaceX stößt auf eine anhaltende Nachfrage. Laut Reuters liegen bereits Zeichnungen von über $250 Mrd. für ein Emissionsvolumen von $75 Mrd. vor – das IPO wäre damit mehr als dreifach überzeichnet. Besonders institutionelle Investoren greifen zu. 👉 Crunch-Take: Die jüngsten Top-Börsengänge von Cerebras und Figma waren rund 20- bzw. 40-fach überzeichnet. Die Nachfrage nach SpaceX erscheint vor diesem Hintergrund zwar stark, aber nicht außergewöhnlich. (Deep Dive)

🖥️ Super Micro $SMCI ( ▼ 9.67% ) will $7 Mrd. frisches Kapital aufnehmen, um die enorme Nachfrage nach seinen KI-Servern zu bedienen. Der Konzern sitzt auf einem Auftragsbestand von rund $39 Mrd. und benötigt das Geld vor allem für Komponenten und den Ausbau der Produktion. Die Aktie fiel gestern um mehr als 17 %, da die Kapitalmaßnahme bestehende Aktien verwässert. 👉 Crunch-Take: Für Anleger ist das ein starkes Signal für die anhaltende KI-Nachfrage – auch wenn die Verwässerung kurzfristig auf den Kurs drückt. (Deep Dive)

👔 Hugo Boss steht vor einer möglichen Übernahme durch die Frasers Group. Der britische Großaktionär (der bereits rund 25 % der Anteile hält) bietet im Rahmen eines freiwilligen Übernahmeangebots €38 je Aktie. Die Boss-Aktie sprang nachbörslich über das Angebotsniveau. 👉 Crunch-Take: Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob Frasers sein Angebot noch erhöhen muss oder weitere Interessenten auftauchen. (Deep Dive)

🥛 Oatly $OTLY ( ▲ 0.66% ) prüft offenbar einen Buyout des China-Geschäfts. Der Hafermilchhersteller hatte bereits 2025 eine Überprüfung seiner Aktivitäten in China gestartet. Hintergrund sind schwache Wachstumsraten und rückläufige Umsätze im Gastronomiegeschäft. Ein Verkauf oder Spin-off könnte noch in diesem Jahr auf dem Plan stehen. 👉 Crunch-Take: Ein Deal könnte es Oatly erlauben, sich stärker auf profitablere Kernmärkte zu konzentrieren – was auch nötig ist, da die Aktie seit IPO mehr als 98 % im Minus liegt. (Deep Dive)

📱 Robinhood $HOOD ( ▼ 3.15% ) legte nach starken Mai-Zahlen um mehr als 8 % zu. Das verwaltete Vermögen kletterte auf $377 Mrd., während Aktien- und Optionshandel deutlich anzogen. Besonders dynamisch wächst das Geschäft mit Event- und Prognosekontrakten, die inzwischen zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählen. 👉 Crunch-Take: Die hohe Bewertung wird zunehmend davon abhängen, ob das Wachstumstempo anhält – und wie streng die US-Regulierer künftig bei Prognose- und Wettmärkten durchgreifen. (Deep Dive)

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STAT OF THE DAY

23 Jahre

so lange schrumpfte das Aktienangebot in den USA. Der Grund: Unternehmen kauften mehr Aktien zurück, als sie neu ausgaben. Das stützte den Markt strukturell (think: weniger Angebot, mehr Kapital pro Aktie, höhere Kurse).

2026 endet diese Phase wahrscheinlich. Goldman Sachs erwartet erstmals seit 2003 ein nahezu neutrales Nettoangebot, 2027 könnte es sogar positiv werden.

Denn: SpaceX, Anthropic und OpenAI kommen an die Börse. Gleichzeitig brauchen die Tech-Konzerne immer mehr Kapital für KI-Investitionen (remember: Alphabet hat bereits $85 Mrd. über eine Kapitalerhöhung eingesammelt und Meta prüft einen ähnlichen Schritt).

Seit dem IPO-Antrag von SpaceX haben die Magnificent Seven mehr als $1 Bio. an Börsenwert verloren. Viele Anleger verkaufen bestehende Positionen, um bei den neuen Emissionen am Start zu sein.

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