🪩, liebe Cruncher!
Die Bundesregierung will €10 Mrd. in Zivilschutz investieren, inklusive einer App, die anzeigt, wo der nächste Bunker ist.
Das Problem: Es gibt in der Hauptstadt keine Bunker mehr – zumindest keine, die auf den Ernstfall ausgelegt sind. Was es gibt: Bunker, die zu Kunstgalerien, Pilzfarmen, Hotels und Clubs umfunktioniert wurden.
Wir sind uns sicher, dass die Bundesregierung trotzdem schon mal mit der App-Entwicklung loslegt und mit den verbleibenden €5 Mio. dann neue Bunker kauft – die gibt’s inzwischen laut Financial Times für €50-70k das Stück. Und im besten Fall gibt’s dann in 20 Jahren noch mehr Kunstgalerien, Pilzfarmen, Hotels und Clubs.
Liebe Grüße an unsere Schweizer Leser, die das hier wahrscheinlich aus ihrem Privatbunker lesen – reserviert uns gerne einen Platz 🙏

Paul Ostwald, Lead Editor

Sina Schnepper, Associate Editor
APP GEHT’S
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WHAT’S GOING ON?
TOP STORY
Rally im Rückwärtsgang: Rüstungsaktien verlieren Milliarden

Rheinmetall war lange der Anleger-Liebling der Zeitenwende. (Foto: IMAGO / Noah Wedel)
Was ist passiert: Der Absturz der deutschen Rüstungsaktien geht weiter: Rheinmetall, Hensoldt, Renk und TKMS haben seit Oktober zusammen über €58 Mrd. an Börsenwert verloren
Zoom in: Renk und Rheinmetall halbierten sich binnen neun Monaten fast
Der Grund: Moderne Kriegsführung lebt von Drohnen, Luftabwehr und Präzisionsraketen – nicht von Panzern
Falsches Pferd: Rheinmetall macht 85 % seines Umsatzes mit Fahrzeugen, Landsystemen und Munition – genau dem Segment, in das die zusätzlichen NATO-Milliarden laut Analysten nicht mehr fließen
👉 Why Should I Care? Weil hier eine Rally kippt, die unschlagbar schien – Rheinmetall stieg zwischenzeitlich um über 2.000 %. Jetzt sortiert der Markt neu, wer vom Aufrüstungs-Boom wirklich profitiert 👀
Vorschuss verbraucht: Die „Zeitenwende" zog Kapital an, bevor die Umsätze da waren. Volle Auftragsbücher sind noch kein echtes Geld auf dem Konto – der Markt verlangt jetzt Belege statt Versprechen
Versenkt: Die Kurse stiegen jahrelang schneller als die Geschäftszahlen – jede Verzögerung schlägt jetzt überproportional durch, wie zuletzt die Stornierung des Fregatten-Programms F126 ☝️
Bedeutet: Die Korrektur ist kein Kollaps, sondern die Quittung für eine überhitzte Rally
Dive Deeper: Die Auftragsbücher sind voll (think: Rheinmetalls Bestand entspricht fast dem Achtfachen des Jahresumsatzes) und 87,5 % der Analysten raten weiter zum Kauf
Restock Rally? Der strukturelle Trend bleibt intakt – die im Nahen Osten verschossene US-Munition muss nachbestellt werden, und da sich US-Zulieferer auf US-Kunden konzentrieren, könnten europäische Armeen verstärkt in Europa ordern
Bigger Picture: Wer langfristig denkt, könnte die Wachstumsstory jetzt günstiger bekommen – Lazard erwartet für die Branche weiter 10–20 % Gewinnwachstum pro Jahr über zehn Jahre
Weitere Rüstungs-Deep Dives: Gibt es am Mittwoch im defencecrunch 🤝
Further Reading: Handelsblatt, FAZ
MARKET MOVER
Was die Delta-Zahlen über die Bilanzsaison aussagen

Höhenflug mit Gegenwind bei Delta (Foto: IMAGO / Rüdiger Wölk)
Was ist passiert: Delta $DAL ( ▼ 2.92% ) macht den Auftakt der US-Bilanzsaison – und zeigt exemplarisch, wie der Iran-Krieg auf die Unternehmensgewinne durchschlägt
Up & Down: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 14 % auf $19,8 Mrd., doch der Nettogewinn brach um 25 % auf $1,6 Mrd. ein
Der Grund: Die Kerosinkosten sprangen um 77 % auf $4,4 Mrd. (think: der höchste Wert der Firmengeschichte)
Autopilot on: Delta bestätigt trotz allem sein Jahresziel von 20 % Gewinnwachstum – die Nachfrage ist robust (auch dank WM), die Preismacht hält
👉 Why Should I Care? Weil die Airline zusammen mit Pepsi zu den ersten gehört, die den Treibstoff-Schock der Hormus-Blockade in den Zahlen zeigen – für transportintensive Branchen dürfte das ein Dauerthema der ganzen Bilanzsaison werden
Zoom in: Höhere Energiekosten drücken die Gewinne – aber wohlhabende Konsumenten zahlen die Aufschläge. Diese „K-förmige" Spaltung (think: oben boomt's, unten wird's eng) entscheidet gerade, welche Konsumaktien liefern und welche nicht
By the Numbers: Delta reicht rund 60 % der höheren Spritkosten an die Kunden weiter – bald sollen es fast 100 % sein. Die Mai-Flugpreise lagen US-weit fast 27 % über denen des Vorjahrs
Not your Average Airline: Delta ist ein Sonderfall nach oben – die premium-lastige Kundschaft und die eigene Raffinerie (Umsatz +83 %) federn den Schock ab. Wer diese Puffer nicht hat, dürfte den Kerosin- und Diesel-Schock deutlich härter in den Zahlen spüren ☝️
Further Reading: Financial Times, CNBC
QUICK CATCH-UP
💥 Der US-Iran-Konflikt eskaliert weiter: Nach iranischen Angriffen auf Handelsschiffe erklärte Teheran die Straße von Hormus für „geschlossen bis auf Weiteres" – die USA antworteten mit den schwersten Schlägen der Woche (rund 140 Ziele, über 300 in drei Tagen) und beharren darauf, die Wasserstraße sei offen. Trump erklärte die Waffenruhe endgültig für beendet, will aber weiterverhandeln lassen. 👉 Crunch-Take: Die Öl-Entspannung der letzten Wochen war offenbar verfrüht, und mit ihr wackelt die ganze Inflations- und Zinswende-Story. (Deep Dive)
💾 SK Hynix legt am Freitag ein starkes Nasdaq-Debüt hin: Die ADRs schlossen 13 % über dem Ausgabepreis von $149. Das Geld fließt in neue Chipfabriken und ASML-Maschinen; als Nvidias wichtigster HBM-Lieferant kontrolliert SK Hynix über die Hälfte dieses Marktes. 👉 Crunch-Take: Trotz Kospi-Bärenmarkt und Chip-Ausverkauf greifen die Profis beherzt zu – solange die HBM-Nachfrage die Kapazitäten übersteigt, gilt an der Wall Street offenbar: Die Chip-Rally ist noch nicht vorbei. (Deep Dive)
🚗 Volkswagen steuert auf einen monatelangen Machtkampf zu: CEO Blume scheiterte im Aufsichtsrat mit seinem Zukunftsplan am Widerstand von Arbeitnehmern und Niedersachsen. Streitpunkte sind weitere Stellenstreichungen (think: bis zu 70.000 zusätzlich), mögliche Werksschließungen an vier Standorten und eine Holding-Struktur, die die Mitbestimmung schwächen könnte. 👉 Crunch-Take: Intern wurde sogar eine außerordentliche Hauptversammlung als Eskalationsstufe diskutiert, weiter geht es im September. (Deep Dive)
👗 Shein hat grünes Licht von der chinesischen Aufsicht für einen Hongkong-Börsengang bekommen – nach jahrelangem Anlauf und gescheiterten Versuchen in den USA und London. Der Fast-Fashion-Riese will bis zu 341,6 Mio. Aktien verkaufen und dabei einige Milliarden Dollar einsammeln; die Bewertung ist allerdings von einst $100 Mrd. (2022) auf rund $30 Mrd. geschmolzen. 👉 Crunch-Take: Das Listing ist Kapitulation und Befreiungsschlag zugleich – die Bewertung liegt 70 % unter dem Hoch, aber mit $2 Mrd. Gewinn steht Shein besser da als gedacht. (Deep Dive)
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STAT OF THE DAY
0,7 %
So stark übertraf der beste KI-Agent von JP Morgan $JPM ( ▼ 0.6% ) ein klassisches 60/40-Portfolio – bei gleichzeitig geringerer Volatilität. Die Forscher der Bank bauten mehrere Agenten, die je nach Marktlage eigenständig zwischen Aktien und Anleihen umschichten, und ließen sie gegen den Standard antreten. Auch das hauseigene regelbasierte Marktregime-Modell wurde geschlagen.
Der Haken: Es handelt sich um Rückrechnungen, nicht um echtes Geld. JP Morgan warnt selbst davor, das als Beleg zu lesen, dass KI die Märkte dauerhaft schlägt.
Das eigentlich interessante Risiko liegt woanders: Wenn alle Banken ähnliche Modelle einsetzen, setzen sie auf dieselben Positionen. Forscher warnen vor überfüllten Trades, leichter manipulierbaren Märkten und verstärkten Stressphasen. Ein Agent, der 0,7 % Vorsprung bringt, ist ein Wettbewerbsvorteil. Tausend Agenten, die alle dasselbe denken, sind ein Systemrisiko.
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